KPMG-Studie: Rauer Wind im Privatbanken-Sektor
Datum: 08.02.2012
Hohe Regulierungskosten und gestiegene Kundenbedürfnisse
Das Geschäft von Privatbanken war während der vergangenen Jahre geprägt durch eine hohe Marktvolatilität und ein Niedrigzins-Umfeld. Diese Rahmenbedingungen führten zu einem Trend der Vermögensanlage in "sichere" Formen wie Cash und Immobilien. Außerdem sind die Kosten für die Einhaltung regulatorischer Anforderungen signifikant gestiegen. Die Folge dieser Entwicklungen ist ein großer Druck auf die Margen von Privatbanken."Durch neue Regulatorien geraten Privatbanken derzeit Stark unter Druck", erklärt Alexander Lippner, Geschäftsführer der KPMG in Österreich im Bereich Management Consulting. "Die Kosten für die Einhaltung dieser regulatorischen Anforderungen sind enorm gestiegen – die Auswirkungen spüren natürlich vor allem kleinere Privatbanken."Doch auch gestiegene Kundenbedürfnisse stellen Privatbanken vor neue Herausforderungen. "Der Zielkunde von heute ist sehr gut informiert und erfahren im Umgang mit Finanzprodukten. Er erwartet verständliche Produkte mit Kostentransparenz und individueller Beratung. Privatbanken müssen sich in ihrem Geschäftsalltag dieser neuen Art von Kunden zum Teil erst anpassen", so Lippner weiter. Trotz des schwierigen Marktumfeldes bietet das Privatbanken-Geschäft nach wie vor ein großes Geschäftspotenzial, sind sich die Studienautoren einig. Besonders wichtig sind hier die Wachstumsregionen Asien, Lateinamerika, Nahost, Zentral- und Osteuropa und CIS.
Österreich: Traditionelle Privatbanken am Scheideweg
In Österreich findet aktuell ein verstärkter Wettbewerb um margenträchtige Kunden aus dem Inland sowie dem CEE- und CIS-Raum aber auch Westeuropa statt. Neben den großen österreichischen Bankgruppen werden außerdem zunehmend Ableger internationaler Privatbanken am Markt aktiv, was den Wettbewerb zusätzlich verschärft. Im Offshore-Geschäft stehen die österreichischen Privatbanken zudem im Wettbewerb mit den internationalen Finanzplätzen. "Kostenintensive Regulierungen und intensivierter Wettbewerb treffen natürlich auch in Österreich vor allem die kleineren Privatbanken", erklärt Sebastian Fischer, Senior Manger und Privatbanken-Experte bei KPMG in Österreich. "Aufgrund fehlender kritischer Masse in Bezug auf verwaltetes Kundenvermögen ist es den Banken zumeist nicht möglich, die gestiegenen Kosten ertragseitig zu kompensieren. Großbanken sind hier durch ihre bestehende Infrastruktur und ihre breite lokale Präsenz in den Zielmärkten klar im Vorteil."Die Institute in Österreich sind daher gefordert, sich deutlich vom Mitbewerb abzugrenzen. "Privatbanken müssen profitable Nischen für ihr Geschäft identifizieren und sich auf diese konzentrieren. Profitables Wachstum wird unter den derzeitigen Bedingungen nur durch Fokussetzung möglich sein", meint Fischer abschließend.
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